Seit 1998 arbeite ich in der IT. Ich war bei #TIMOCOM der erste technische Mitarbeiter, habe fünfzehn Jahre lang allein eine Community mit über einer Million Nutzern im Monat betrieben und später eine der ersten ChatGPT-basierten Chatbots Deutschlands live gebracht.
Fast dreißig Jahre lang war das Öffnen der Blackbox mein Antrieb: verstehen, wie etwas funktioniert, und es zum Laufen bringen. Das war schon so, als ich als Kind Fernseher repariert habe.
Genau deshalb gehe ich jetzt. Ich habe verstanden, wie die Maschine funktioniert, und es gefällt mir nicht, wohin sie läuft.
Meine Befürchtungen
Ich sehe Technik, die schneller gebaut wird, als sie verstanden wird. Der Zeitreisende in Wells’ Geschichte zerstört unwissentlich das Lebenserhaltungssystem der Eloi, weil er eingreift, ohne die Architektur dahinter zu begreifen. Dieses Muster erkenne ich heute überall.
Ich sehe Plattformen, auf denen Hitze, Falschinformation und Polarisierung belohnt werden und Besonnenheit untergeht. Seit 9/11 trage ich den Satz mit mir: Wer die Wahrheit sagt, verliert. Mit jedem Jahr hat sich das mehr bestätigt. Deshalb habe ich Facebook geschlossen, und LinkedIn und X folgen. Ich will zurück ins echte Leben.
Ich sehe, wie sich Abhängigkeiten verfestigen: Identität, Vertrauen und Daten liegen in fremden Clouds, bei Systemen, die man nicht kontrolliert und nicht versteht.
Meine Vision
Ich habe nicht aufgehört, an Technik zu glauben, nur an die Art, wie sie meist gebaut wird. Mein Gegenentwurf heißt Sovereign Continuity: lokal, dezentral, souverän und schon heute auf die Welt von 2030 ausgelegt, mit Post-Quanten-Kryptografie. Systeme, die dem Menschen dienen, statt ihn zu vermessen. Dafür steht auch das Prinzip der Metrokratie: Entscheidungen auf Grundlage von Messwerten, die sich nicht manipulieren lassen.
Diese Arbeit gebe ich nicht auf. Ich mache sie leiser, lokal, auf eigener Hardware, ohne Bühne und ohne Algorithmus-Applaus. Wenn ich wieder Systeme baue, dann für Menschen, die sie brauchen, und nicht für Reichweite.
Wofür ich stehen will
Mein Fokus gehört jetzt dem Lebendigen: Menschen und Tieren. Ich möchte mit Jugendlichen oder Senioren arbeiten, dort, wo man von Angesicht zu Angesicht etwas bewirkt. Deshalb bewerbe ich mich auch dort, wo man mit anpackt, bei Tieren und Menschen, und nicht dort, wo man Bildschirme optimiert. Die IT bleibt mein Handwerk, aber nicht mehr mein Lebensinhalt. Sie ist Werkzeug, so wie der Hammer des Hausmeisters.
Nach fast dreißig Jahren ist das für mich kein Rückzug aus Resignation. Es ist die Entscheidung, das Gelernte dort einzusetzen, wo es am meisten zählt.